Chiemsee-Reggae-Summer-Pressebericht
Chiemsee Reggae Summer- Pressebericht

Von Berliner Stadtaffen und Überseer Blechbanditen
Mono & Nikitaman, La Brass Banda, Peter Fox und Junior Kelly die Abräumer
Als Peter Fox am Sonntag um 21 Uhr die schöne Kuppeldach-Bühne beim 15. Chiemsee Reggae Summer betrat, senkte sich die Sonne gerade glutrot über den Chiemgauer Alpen. Der „Stadtaffe“, der ja schon mehrfach mit Seeed das einzigartige Ambiente beim Chiemsee Reggae Summer genossen hat, war mit Blick auf die 25 000 Besucher und die neben dem Festival grasenden Kühe, bester Laune und legte dementsprechend eine Show der Superlative hin.
Extrem hohe Erwartungshaltung an den Star des Jubiläumsfestivals: Die überwältigende Mehrheit der Festivalbesucher fieberte dem Auftritt des Seeed-Sängers, der seine Solo-Karriere in Kürze beenden wird, am meisten entgegen. Und so wurde Peter Fox mit einem unglaublichen Gejohle, Geklatsche und Gepfeife begrüßt. Die Stimmung am Siedepunkt und deutlich heißer als die „96 Degrees in the Shade“, die Bunny Rags Clarke von Third World einige Minuten zuvor noch besungen hatte. Und wenn’s so kocht, dann gibt’s auch zahlreiche Stimmungsexplosionen, Jubelschreie, Begeisterungsstürme – wie aus einem Mund sangen die 25 000 Menschen die Hits von Peter Fox lautstark mit, die legendären Fischer-Chöre würden vor Neid bis zur Unsichtbarkeit erblassen. Und der „Rotfuchs“ dankte mit allen Chartstürmern und einer unglaublich perfekten Show, die dennoch nicht steril wirkte.
Dass aufgrund seiner aktuellen Präsenz in allen Sendern, Medien und Preisverleihungen Peter Fox der unumstrittene Headliner des 15. Chiemsee Reggae Summer war, liegt auf der Hand, um dem am Montag arbeitenden Publikum den Genuss seiner Musik und seiner Show zu ermöglichen, wurde sein Auftritt vorgezogen, umso erstaunlicher, dass bei Junior Kelly, der nach dem Berliner ran musste, die Stimmung nicht im Geringsten absackte und nur ganz wenige vorzeitig die Heimreise antraten. Mit warmen Dancehall-Klängen und Nu-Roots begeisterte der Jamaikaner die Massen. Logisch, dass sein Überkracher „If Love So Nice“ da nicht fehlen durfte.
Auf der Zeltbühne ging die Party dann noch bis vier morgen mit der bezaubernden Oceana und mit ultra sumpfigen und spacigen Dub-Klängen von Dub Spencer und Trance Hill weiter. Der ideale Chill-Out eines in allen Belangen überragenden Festivals, das seine Führungsrolle in Europa untermauert und in diesem Jahr wieder deutlich mehr echte Reggae-People auch in der Altersgruppe ab 40 Jahre sowie ganze Familien angezogen hat.
Peter Fox hin Jan Delay her, die allergrößten Festivalabräumer waren aber La Brass Banda am Freitag im völlig überfüllten Zelt und Mono & Nikitaman am Samstag auf der Hauptbühne. Bei Mono & Nik durfte gleich die gesamte Jugendfeuerwehr von Übersee anrücken. Diesmal nicht zum Löschen, sondern als Dankeschön für ihren Einsatz in einem Club in Traunstein, der nach einem Konzert der Band im letzten Jahr brannte. Am liebsten hätte das Publikum die derzeit wohl populärste deutsche Dancehall-Kombo gar nicht mehr von der Bühne gelassen.

Die Überseer Band La Brass Banda, die vor ihrem eigenen Feuerwehrauto sogar einen Maibaum aufgestellt hat, war die Festivalband schlechthin. Die Burschen brachten am Freitag die Zeltbühne derartig zum Kochen wie noch nie eine Band zuvor. Zudem waren die Jungs mit ihrem Erfolgsgebläse immer mal wieder auf dem Festival-Gelände unterwegs und weil am Samstag Collie Buddz zu spät kam, durfte La Brass Banda sogar noch mal auf der Hauptbühne die Crowd rocken.
Schon am Freitag hatten die Ohrbooten den ersten Höhepunkt gesetzt, ehe Sebastian Sturm für den Roots-Auftakt sorgte. Mit dem unvergleichlichen Tiken Jah Fakoly zogen afrikanische Reggae-Klänge ein, Shooting-Star Busy Signal eröffnete unter Begeisterungsstürmen die Dancehall-Abteilung, ehe Jan Delay mit seiner elektrisierenden Show das Glanzlicht des ersten Abends setzte.


Aus Sicht der Roots-Fraktion war Max Romeo das Highlight am Samstag. Der Reggae-Veteran („War ina Babylon“, „I chase the Devil“) begann etwas bedächtig, verdichtete dann aber Tempo und Spannungsmomente zu einer unglaublich schönen und authentischen Show. Souverän, kämpferisch und großartig – das sind die Attribute die auf den Auftritt von Hans Söllner zutreffen, der ja im Rahmen seines 30-jährigen Jubiläums der gefeierte Samstagsheadliner war.
Extrem sympathisch präsentierten sich die beiden Schweizer Elijah und Phenomden am Samstag auf der Zeltbühne. Mit ihrem Mundart-Reggae punkteten die beiden Speerspitzen der Swizzer Reggae-Szene gewaltig.
Überhaupt erlebte man während der gesamten Festivaltage überall Vorfreude auf das Kommende und Glücksgefühle über das gerade Gebotene. Ob es sich nun um das Gemeinschaftsgrillen bei den super gefeierten Opendecks handelte oder den lange geöffneten Biergarten, die verbesserten Sanitären Anlagen, die als sehr nett beschriebenen Securitys, spontanen Jam-Sessions auf den Campingplätzen oder einen Bade-Ausflug zur Abkühlung an Ache und See handelte, es wurde einfach nur friedlich gefeiert.
Es hat sich also wieder einmal für jeden, der die Reise zum Chiemsee Reggae Summer angetreten hat, gelohnt. Die Welt würde eindeutig besser funktionieren, wenn es überall so glückliche Menschen gäbe, die so friedlich und ausgelassen feiern können.
MB (Bilder: Mb-presse.de)












